Der Nymphensittich
( Nymphicus hollandicus)
 

Steckbrief:

Herkunft: Nymphensittiche stammen aus Australien und gehören zur Familie der Kakadus. In ihrer Heimat leben sie in Schwärmen
Gefiederfarbe:Ursprünglich grau mit weißen Flügeldecken und orange, Wangenfleck.Durch Züchtung entstanden zahlreiche andere Farbschläge.
Größe: 30-34 cm
Gewicht: 80-100g
Alterserwartung: 15-20 Jahre
Geschlechtsreife: ab ca. 9 Monaten, Zucht aber erst ab einem jahr empfehlenswert.
Brutunterlage: Nistkasten, Innenmaße 30x20x20 cm (LxBxH), Einschlupfoch ca.8 cm Durchmesser. Evtl. mit Sägespäne/Hanfstreu eingestreut
Gelegegröße: 4-7 Eier
Brutdauer: 18-21 Tage
Nestlingsdauer: ca. 5Wochen, selbstständig mit ca. 8 Wochen.
Haltung: Paarweise oder besser als Gruppe, da es Schwarmvögel sind
Käfig/Voliere Lx Bx H
Mindestgröße: 2x1x1 m für 1 Paar, bei täglichen Freiflug


 

Nymphensittiche sind aufmerksame und verspielte Hausgenossen, die ihre Halter häufig fest im
Griff haben. Die englische Bezeichnung "Cockatiel" ist eine Abwandlung des Wortes "Cockatoo",
also eine Art Verniedlichung von Kakadu. Und tatsächlich erinnern ihre Verhaltensweisen stark
an die großen Verwandten. So können sie ihr Häubchen ausdrucksstark einsetzen. Viele können
mit den Krallen perfekt arbeiten, um Futter und Spielzeug zu halten. Ist man den kleinen
Kakadus erst mal verfallen, kann daraus eine lebenslange Liebe werden.
Ursprünglich kommt der Nymphensittich aus Australien, dort leben die weit verbreiteten
Nomaden sowohl in kleinen Gruppen als auch in großen Schwärmen. Um 1840 kamen die
ersten Wildfänge über den Schiffsweg nach Europa, etwa 10 Jahre später wurden sie
erfolgreich gezüchtet. Mittlerweile gibt es viele Farbschläge, d. h. Mutationen, die von der
Wildform der Nymphensittiche weit entfernt sind. Nymphensittiche zählen neben den
Wellensittichen zu den am häufigsten gehaltenen Papageien. In freier Wildbahn leben Nymphensittiche vor allem im trockenen Inlandsgebiet Australiens. Die Schwärme sind ständig auf der Suche nach ergiebigen Wasser- und Futterstellen. Trotz der ständigen Wanderschaft leben sie häufig monogam, eine Partnerschaft kann zeitlebens halten. Um Nymphensittiche artgerecht zu halten, ist es also unbedingt erforderlich, mindestens zwei Tiere, die gegengeschlechtlich sind, zu nehmen. Es gilt natürlich: Je mehr, desto besser. Erst in Schwarmhaltung kann man ihre natürlichen Verhaltensweisen beobachten. Auch zwischen gleichgeschlechtlichen Tieren gibt es Freundschaften, man frisst zusammen, erkundet gemeinsam die Gegend.

 

Einzelhaltung wäre eine Qual für die Schwarmtiere und kann zu Verhaltensstörungen und
Fehlprägungen auf den Menschen führen. Aus ruhigen, ausgeglichenen Vögeln können Schreier,
schlimmstenfalls sogar Rupfer werden. Das heißt, sie verstümmeln sich selber, indem sie sich
ihr eigenes Gefieder ausreißen. Nackte Körperpartien, Narbenbildung und langjährige
Schwierigkeiten bei der Resozialisierung sind keine Seltenheit.

Leben mit Nymphensittichen

Lautstärke
Nymphensittiche haben häufig den Ruf, Schreier zu sein. Dieses Vorurteil resultiert aber meist
aus Erfahrungen mit Einzelvögeln. Auch ein Schwarm von sechs oder mehr Vögeln hat
ausgeprägte Ruhezeiten. Morgens und am Vormittag sind Nymphensittiche am aktivsten. In
dieser Zeit wird durchaus mal krakeelt und ausdauernd gesungen. Die Hähne üben zeitlebens
neue Gesänge ein, die sie sowohl den Hennen als auch den anderen Hähnen vorführen. Diese
Gesänge sind aber nicht vergleichbar mit dem durchdringenden, monotonen Rufton nach
Artgenossen.
Generell gilt: Ein glücklicher Nymphensittich schreit sehr selten und glücklich ist er vor allem im
Schwarm.
Werden sie zahm?
Versprechen kann dies keiner, es kommt immer auf den einzelnen Vogel an, denn
Nymphensittiche sind kleine Persönlichkeiten.
Es gibt sehr aufgeweckte, neugierige Nymphensittiche, die selbstständig Kontakt zum Menschen
suchen. Andererseits gibt es aber auch ruhige, schüchterne Vögel, die diese Nähe zum
Menschen nicht wollen – auch zu diesen Vögeln kann man eine wunderbar innige Beziehung
aufbauen.
Um das Vertrauen zu gewinnen, muss man Geduld beweisen. Nur mit Ruhe und Verständnis
werden Nymphensittiche zahm. Den Vogel greifen, ihn bedrängen, anschreien oder gar
aushungern sind keine zielführenden Mittel. Stattdessen kann man mit Leckerlis ihr Zutrauen
stärken. Hirsekolben sind dafür bestens geeignet, denn sie sind groß genug, so dass die
Nymphen anfangs nicht zu dicht an die Hand müssen, die den Kolben hält. Eine weitere
Möglichkeit ist das so genannte Clickertraining. Es basiert ausschließlich auf Belohnungen,
niemals auf Bestrafung! Genaue Informationen dazu gibt es im Internet unter www.vogel-FAQ.de
und www.vogelforen.de im Unterforum Clicker-Training.
Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass nur Einzeltiere zahm würden. Denn gerade Schwarmvögel
haben die nötige Sicherheit, um sich in Unbekanntes vorzuwagen.
Sprechen lernen?
Nymphensittiche gehören zwar zur Familie der Kakadus, sprechen lernen sie allerdings nicht –
mit einigen sehr wenigen Ausnahmen! Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Tier einzeln oder
im Schwarm gehalten wird. Ihre Sprache ist „Nymphisch“ und auch für den Menschen durchaus
gut verständlich.
 

Die Körpersprache

Nymphensittiche können sich sehr eindeutig ausdrücken. Man sieht ihnen ihre Gemütslage
meist schon am Häubchen und an der Körperhaltung an. Übermütige Nymphensittiche hängen
sich sogar mit weit ausgebreiteten Flügeln kopfüber von der Stange. Im Folgenden werden
einige Beispiele der Körpersprache erklärt.
Senkrechte Haltung der Federhaube
Nymphensittiche stellen ihre Kopffedern senkrecht auf, wenn sie interessiert sind und Neues
erkunden. Diese Haltung haben die Vögel meist, wenn sie aktiv sind. Viele Nymphensittiche
halten aber auch beim Dösen ihre Häubchen aufrecht.
Die beiden Vögel oben in der Mitte sind interessiert, aber gleichzeitig völlig entspannt, denn ihre
Bäckchen sind aufgeplustert. Der Nymphensittich ganz rechts beobachtet genau, was geschieht.
Das Häubchen ist aufgestellt, das restliche Gefieder liegt eng an.
Waagerechte Haltung des Häubchens
Diese Haubenstellung sieht man meist, wenn die Vögel
schlafen oder genüsslich ein Spielzeug zerknabbern. Sie
ist ein Zeichen, dass der Nymphensittich in ruhiger und
entspannter Stimmung ist.
Viele Hähnchen legen beim Singen ebenfalls die Haube
an.

Angespannte Haltung der Federhaube
Stellt der Nymphensittich seine Kopffedern so auf,
dass die Spitzen nach vorne zeigen, dann ist er
ängstlich, aufgeregt und kurz vor der Flucht.
Viele Vögel wippen zudem hin und her und fauchen.
Manche Tiere verharren dagegen wie erstarrt.
Angelegte Kopffedern
In dieser Haltung ist der Vogel angespannt und
wütend. Mit aufgerissenem Schnabel wird bedrohlich
gefaucht und es wird auch mal in die Luft gehackt.
Andere versuchen, mit weit ausgebreiteten Flügeln
den Gegner einzuschüchtern.
In dieser Situation kann es leicht zu einem
schmerzhaften Schnabelhieb kommen.
Nymphensittiche haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. In jedem Schwarm gibt es neben den Partnerschaften auch feste Freundschaften, aber auch Streitigkeiten und Eifersuchtsdramen sind nichts Ungewöhnliches. Jeder Nymphensittich zeigt seine Stimmung anders, deshalb müssen die Beschreibungen nicht immer zutreffen. Nymphensittiche können sich auch durch ihre Stimme sehr gut ausdrücken. Durch Beobachtung werden Sie schon nach kurzer Zeit die Eigenarten Ihrer Tiere kennen.


Die Anschaffung
Vor der Anschaffung muss man sich einige Gedanken um die Zukunft machen. Nymphensittiche
können bis zu 25 Jahre alt werden, in Einzelfällen sogar über 30 Jahre. So lange kann natürlich
niemand vorausplanen, aber man sollte zumindest die finanzielle Versorgung und eine
Notfallbetreuung absichern. Auch sollte geklärt werden, ob jemand in der Familie allergisch
reagieren könnte. Oder ob Konflikte mit anderen Haustieren zu berücksichtigen wären. Werden
z. B. auch Katzen gehalten, ist eine strikte Trennung nötig, denn Katzen wären für
Nymphensittiche ein dauerhafter Stressfaktor, da sie Fressfeinde sind und auch als solche
angesehen werden.


Woher bekomme ich Nymphensittiche?
Es gibt verschiedene Wege, der wohl einfachste ist der Gang in die Zoohandlung. Leider ist
dies, aus verschiedenen Gründen, nicht immer eine gute Wahl: Bei einem Vogel aus der
Zoohandlung weiß man nicht, woher er stammt und wie er aufgezogen wurde. Das genaue
Alter kann meist nicht genannt werden und auch bei der Geschlechtsbestimmung werden häufig
falsche Aussagen gemacht.
Falls das Alter keine allzu große Rolle spielt, sollte man den Weg ins Tierheim nicht scheuen.
Auch in der Tageszeitung oder auf diversen Internetseiten findet man Anzeigen über
Abgabetiere. Auch hier gilt: Lieber selber das Geschlecht überprüfen, als sich auf fremde
Aussagen verlassen. Zur Geschlechtsbestimmung gibt es in diesem Infoblatt einen gesonderten
Absatz.

Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf direkt bei einem Züchter.
Natürlich gibt es auch hier negative Beispiele. Massenzucht, Kellerzucht, zu viele Bruten im Jahr,
mangelhafte Ernährung und schlechte Hygiene sind z. B. keine günstigen Vorraussetzungen.
Die Wahl des Züchters ist also nicht ganz einfach. Es lohnt sich immer, mehrere Züchter
aufzusuchen, bevor man sich entscheidet, und man sollte sich auf jeden Fall die Zuchtanlage
zeigen lassen. Kennt sich der Züchter mit der Vererbungslehre aus, kann er häufig auch schon
bei Jungtieren das Geschlecht bestimmen. Ist dies nicht möglich, sollte ein ehrlicher Züchter das
auch zugeben. Doch leider werden auch hier häufig Falschaussagen gemacht. Einem
verantwortungsvollen Züchter ist das Wohlergehen seiner Tiere sehr wichtig! Seriöse Adressen
von guten Züchtern kann man in Vereinen, Foren und im Internet finden.


Die Kosten
Nymphensittiche sind weit verbreitet und werden häufig für wenig Geld angeboten. Wesentlich
teurer ist eine artgerechte Grundausstattung. Auch im Selbstbau sollte man mit mindestens
300 € für die Voliere rechnen. Die laufenden Kosten für Futter und Einstreu kann man schon ab
etwa 10 € im Monat pro Paar abdecken. Für unerwartete Tierarztkosten sollte man immer eine
Rücklage haben, denn bei einer ernsthaften Krankheit kann die Rechnung schnell dreistellig
werden!
Die Haltung
Wie schon mehrfach erwähnt, ist die Haltung im Schwarm ideal. Kann man das nicht realisieren,
muss zumindest die gegengeschlechtliche Paarhaltung gewährleistet werden.
Gleichgeschlechtliche Haltung bringt viele Probleme mit sich und ist absolut nicht
empfehlenswert. Weder die Hähne noch die Hennen gehen gleichgeschlechtliche Beziehungen
ein, die so innig sind wie mit einem Sexualpartner. Unausgeglichene Nymphensittiche suchen
ständig nach einem Partner und können zu Dauerschreiern und Rupfern werden. Auch im
Schwarm sollte also das Geschlechterverhältnis ausgeglichen sein.
 

Die Wahl durch den Halter entspricht leider nicht immer der Wahl der Tiere. Kann man nur ein
Paar halten, ist es deshalb ratsam, bereits fest verpaarte Tiere zu wählen. Eine Garantie, dass
sich zwei Vögel verpaaren, kann niemand geben. Es empfiehlt sich, Tiere ähnlichen Alters
zusammenzusetzen. Jungtiere sollten mindestens 10 Wochen alt sein, wenn sie von den Eltern getrennt werden. Denn obwohl die Küken bereits im Alter von 4 Wochen den Kasten verlassen, werden sie weiterhin von den Eltern gefüttert und umsorgt.

Die Geschlechtsbestimmung
Mit der Züchtung immer neuer Farbschläge ist auch die Bestimmung des Geschlechts
schwieriger geworden. Nur wenige Farbschläge sind eindeutig. Das Geschlecht bereits im
„Kükenalter“ zu bestimmen ist nur durch die Beobachtung des Verhaltens möglich – und zwar
das der Hähnchen. Sie beginnen im Alter von 3-6 Monaten ihren Balzgesang zu üben. Unter
Balzen versteht man das Umwerben der Henne. Dabei stolziert der Hahn mit abgespreizten
Flügeln herum und gibt die verschiedensten Pfeiftöne von sich – er singt.
Während der so genannten Jugendmauser wechseln Nymphensittiche ihr komplettes Gefieder
und die geschlechtsspezifischen Merkmale prägen sich aus. Dieser Prozess beginnt mit 4-6
Monaten und ist etwa im Alter von 12 Monaten abgeschlossen. Geschlechtsreif sind
Nymphensittiche schon mit 9 Monaten.
Für Laien ist es äußerst schwierig, das Geschlecht eines Nymphensittichs eindeutig zu
bestimmen. Eine komplette Anleitung würde etliche Seiten füllen, deshalb werden hier nur
Wildfarbene und Geperlte näher erläutert.
Auf dem Bild auf der ersten Seite sieht man ein Paar mit seinem Nachwuchs. Links ist ein
wildfarbener Hahn abgebildet. Er trägt eine gelbe Maske mit einem orange Wangenfleck. Das
Gefieder ist vorwiegend grau, nur die Flügeloberkanten sind weiß.
Daneben sitzt ganz rechts ein wildfarbener Jungvogel. Handelt es sich um eine Henne, behält
das Tier seine Gefiederzeichnung. Die gelbe Maske mit dem orange Fleck ist mit einem
Grauschleier überzogen, die Federn der Schwanzunterseite sind gelbgrau gestreift. Tatsächlich
handelt es sich jedoch bei dem abgebildeten Vogel um ein junges Hähnchen, was aber zu
diesem Zeitpunkt noch nicht optisch feststellbar war.
In der Mitte sitzt eine geperlte Henne. Dieser Farbschlag zeichnet sich durch die vielen kleinen
Perlen aus, die vor allem im Rückengefieder deutlich ausgebildet sind. Je nach Züchtung und
Farbschlag können sie unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Auch junge Hähne können geperlt
sein, verlieren diese deutliche Perlung aber während der Jungmauser. Die Perlung ist auch bei
anderen Farbschlägen ein Bestimmungsmerkmal für Hennen, darf aber nicht mit dem
Farbschlag Schecke verwechselt werden. Das Geschlecht geperlter Schecken ist daher
schwieriger zu bestimmen.
Ist die Geschlechterfrage nicht eindeutig über das Gefieder oder das Verhalten bestimmbar, gibt
es auch die Möglichkeit einer DNA-Analyse. Sie kostet beim vogelkundigen Tierarzt etwa 20 €.
Dazu wird entweder etwas Blut abgenommen oder eine Feder frisch ausgezupft. Traut man sich
Letzteres selber zu, muss der Vogel nicht einmal zum Tierarzt. Eventuell kann auch der Züchter
helfen.


Die Voliere
Nymphensittiche benötigen viel Platz. Die empfohlene Mindestgröße für ein Paar beträgt 2 m x
1 m x 1 m (Länge x Breite x Höhe). Dabei ist die Größe der Grundfläche entscheidend, nicht die
Höhe. Häufig ist diese Größe in der Wohnung nicht realisierbar, dann darf eine Grundfläche von
1 m² für ein Paar keineswegs unterschritten werden. Die Voliere soll hell und zugfrei stehen.
Der Ort darf nicht zu belebt sein, um Stress zu vermeiden. Mindestens eine Seite muss
geschützt an der Wand stehen. Kein Vogel fühlt sich wohl, wenn er in Kniehöhe vor dem
Menschen sitzt, deshalb muss der höchste Punkt der Voliere mindestens auf Augenhöhe sein.
Täglicher mehrstündiger Freiflug sollte selbstverständlich sein! Bei mangelnder Bewegung wird
es den Tieren zusehends schlechter gehen. Sie verlieren an Kondition, die Flugmuskulatur bildet
sich zurück und eventuell werden sie auch übergewichtig. Außerdem kann Bewegungsmangel
zu stereotypem Verhalten führen. Rupfen und Schreien sind weitere möglich Folgen, die sehr
schwer therapierbar sind.
Zur Ausstattung eignen sich Naturäste in verschiedenen Stärken (z. B. Äste von Buche, Birke,
Obstbäumen oder Haselnuss). Der Durchschnitt sollte mindestens 2 cm betragen.
Seile, selbst gebasteltes Spielzeug aus unbehandelten Naturmaterialien, Kork und Sitzbrettchen
vervollständigen die Einrichtung. Nymphensittiche zerstören liebend gern, dieser Knabberlust
sollte man Rechnung tragen.
Als Bodenbelag verwendet man Buchenholzgranulat, Hanfstreu oder Sand.
Futter– und Wassernäpfe müssen so angebracht sein, dass sie nicht durch Kot verschmutzt
werden können, also nicht direkt unter einer Sitzstange. Sitzbrettchen können, oberhalb der
Näpfe angebracht, ebenfalls schützen. Edelstahlnäpfe mit Schraubhalterung sind leicht zu
reinigen, stabil und praktisch. Bitte sorgen Sie dafür, dass jedes Schwarmmitglied gut an Futter
kommt. Je mehr Futterplätze es gibt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ein Tier
permanent vom Napf verjagt wird.

Vogelbaum/Landeplatz
Um den Freiflug zu genießen, benötigen Vögel eine Anflugmöglichkeit. Mit einem Landeplatz
wird auch der erste Freiflug nicht zum Desaster. Vogelbäume und Spielzeuge lassen sich ganz
einfach selbst herstellen. Mit ein paar Haken in der Decke kann man z. B. schnell und einfach
eine Landemöglichkeit schaffen. Es gilt: Je höher der Spielplatz, desto besser wird er
angenommen!
Den Kot kann man z. B. mit Läufern auffangen, welche regelmäßig gewaschen werden.

Licht
Kann man kein direktes Sonnenlicht bieten (Fensterglas absorbiert den UV-Anteil des Lichts), ist
eine spezielle Beleuchtung sinnvoll. Im Handel gibt es mittlerweile verschiedene Produkte. Da
Vögel eine Frequenz von etwa 150 Bildern pro Sekunde wahrnehmen können, sind Neonröhren
für sie unangenehm. Denn sie flackern bei 50 Hz. Deshalb ist ein elektronisches Vorschaltgerät
(EVG) nötig. Die „Bird-Lamp kompakt“ hat bereits ein EVG installiert, kann in eine normale E27-
Fassung geschraubt werden und kostet ca. 35 €. Investiert man einmalig in eine Leuchtstoffröhrenhalterung
mit eingebautem EVG, sind die Folgekosten geringer. Da der UV-Anteil des
Lichts beim Gebrauch der Lampen absinkt, sollten sie jährlich ausgetauscht werden. Aquarien-
/Terrarienlampen sind nicht geeignet, da sie ein anderes Lichtspektrum abgeben und ihr UV-BAnteil
eventuell zu hoch (und damit schädlich) für Vögel ist.
UV-Licht ist für Vögel aus folgenden Gründen wichtig: Vögel können, im Gegensatz zum
Menschen, den im Sonnenlicht vorhandenen UV-Anteil sehen. Fehlt dieser UV-Anteil, nehmen
sie Farben, z. B. die Gefiederzeichnung anderer Vögel, nicht richtig wahr. Weiterhin ist UV-Licht
für die Bildung von Vitamin D3 wichtig.
Da Nymphensittiche gerade nachts, verursacht durch ungewöhnliche Geräusche, Straßenlichter
u. Ä. zu Panikattacken neigen, muss in Volierennähe ein Nachtlicht angebracht werden. Geräte
für die Steckdose, wie man sie von Babys/Kindern her kennt, gibt es in Super- und Baumärkten.

Tierschutzwidrige Gegenstände
Plastik in jeder Form ist völlig ungeeignet. Die Vögel können abgeknabberte Kleinteile
verschlucken und sich daran verletzen. An Plastiksitzstangen nutzen sich die Krallen nicht ab
und die Fußmuskulatur verkümmert wegen des gleichmäßigen Durchmessers. Außerdem kann
es zu Ballengeschwüren kommen. Sandpapier als Einstreuersatz oder um Sitzstangen gewickelt
ist höchst gefährlich!
Im Handel werden unter vielen tierschutzwidrigen Spielzeugen auch Spiegel angeboten. Ein
Spiegel simuliert einen nicht vorhandenen Partner; eine völlige Fixierung auf das Spiegelbild
kann die Folge sein. Spiegel haben nichts in einer Vogelvoliere zu suchen!
Lackierte und kunststoffüberzogene Käfiggitter können zu Vergiftungen führen, wenn die Vögel
den Lack abknabbern. Runde Käfige sind ebenfalls nicht zur Tierhaltung geeignet. Sie bieten
keinerlei Orientierung und somit keine Sicherheit. Ohnehin sind runde Käfige viel zu klein.

Vogelsicheres Zimmer
Damit die Nymphensittiche ihre Freiflüge genießen können und um Unfälle zu vermeiden,
muss man vorab einige Punkte beachten:
Fensterscheiben werden von Vögeln nicht als Grenze erkannt. Die Tiere können sich deshalb,
wenn sie mit voller Geschwindigkeit dagegen fliegen, das Genick brechen. Mittels Gardinen oder
Fensterbildern werden solche Unfälle vermieden.
Viele Nymphensittiche sind bereits hinter Schränke oder in andere Höhlen, wie tiefe Vasen,
gefallen. Lassen sich die Möbel nicht ganz an die Wand stellen, sollte man die Spalten mit
Sperrholz, Pappe oder Tüchern abdecken. Auch ein eingeschalteter Deckenfluter kann zur
Gefahr werden, da er sehr heiß wird. Offenes Feuer und tiefe Wasserstellen sind natürlich
ebenfalls gefährlich. Da Nymphensittiche viel mit dem Schnabel untersuchen, sollte man
Steckdosen mit handelsüblichen Kindersicherungen versehen.
Jegliche giftigen Zimmerpflanzen müssen unerreichbar ausquartiert werden!
Eine weitere Gefahrenquelle sind Bleibänder. Diese befinden sich häufig im Saum von Gardinen.
Aufgenommenes Blei kann innerhalb von Stunden zum Tod führen! Deshalb sollte man die
Bleibänder unbedingt vollständig entfernen.


Der Einzug
Bitte fahren Sie auf direktem Weg nach Hause, nachdem Sie die Tiere gekauft haben. Dort
sollte die Voliere schon komplett eingerichtet bereitstehen, um den Tieren jeglichen Stress zu
ersparen. Wasser, Futter und eine Kolbenhirse sollten ebenfalls schon in der Voliere sein. Auch
die Landeplätze im Zimmer sollten möglichst bald gebaut werden.

Die Eingewöhnung
Lassen Sie den Vögeln Zeit und gönnen Sie ihnen Ruhe! Sie müssen mit der Trennung von ihren
bisherigen Artgenossen, mit den Menschen, anderen Haustieren und neuen unbekannten
Geräusche klarkommen. In der ersten Zeit sollte auf Freiflug verzichtet werden. Es gibt keine
pauschale Zeitangabe, wie lange Neuankömmlinge im Käfig bleiben müssen, am besten
beobachten Sie Ihre neuen Mitbewohner genau, um den richtigen Zeitpunkt herauszufinden.
Man kann das Vertrauen der Nymphensittiche gut mit Leckerlis gewinnen, man sollte jedoch
darauf achten, den Vogel niemals zu bedrängen. Wenn die Tiere nicht mehr panisch auf
Menschen reagieren und Sie ohne dass die Vögel flattern die Futternäpfe wechseln können, ist
es möglich, den ersten Freiflug zu wagen. Die Tiere müssen für den Freiflug nicht handzahm
sein!
Der erste Freiflug
Viele Halter haben anfangs Probleme, ihre Nymphensittiche abends wieder in die Voliere zu
bekommen. Mit einem geregelten Tagesablauf, viel Ruhe und Geduld ist dies aber gar nicht so
schwierig. Es ist sinnvoll, die Futternäpfe jeden Abend zur gleichen Uhrzeit neu zu befüllen.
Außerdem sollte es besonders beliebtes Futter und Leckerlis anfangs nur in der Voliere geben.
Kennen die Nymphensittiche diesen Ablauf, ist der Reiz, in die Voliere zurückzukehren, viel
größer.
Falls es möglich ist, nähern Sie sich vorsichtig den Vögeln und halten Sie ihnen ein Stöckchen o.
Ä. unter den Bauch. Viele Nymphensittiche steigen reflexartig auf. Bei ängstlicher Reaktion
sollten Sie sich aber sofort zurückziehen.
Für den ersten Freiflug sollte man viel Zeit einplanen, am besten ein freies Wochenende. Nach
dem Frühstück wird die Volierenklappe geöffnet. Mit einer Hirse, die am Ausgang platziert wird,
kann man die Vögel locken. Ein Brettchen am Ausgang erleichtert Ein- und Ausstieg. Draußen
sollte man Wasser und eine karge Körnermischung anbieten, denn es ist zu beachten, dass
Nymphensittiche niemals ausgehungert werden dürfen! Vögel haben einen sehr schnellen
Stoffwechsel und nehmen stündlich Futter auf. Erst dann, wenn die Nymphensittiche wieder
reingehen sollen, darf das Futter außerhalb der Voliere entfernt werden. Direkt im Anschluss
daran sollten die Näpfe in der Voliere neu befüllt werden. Seien Sie ruhig spendabel beim
Futterangebot. Die Nymphensittiche werden mit Sicherheit genau beobachten, was passiert. Mit
etwas Glück marschieren sie jetzt ganz allein rein.
Jeder Vogelhalter kann wohl davon berichten, dass sich seine Tiere auch mal beharrlich
geweigert haben, in die Voliere zurückzukehren. Nach mehreren Stunden ermüdender Versuche
ist es verständlich, dass man wütend wird. Die Vögel würden es aber nicht verstehen, wenn
man sie anschreit oder jagt! Je unruhiger und nervöser Sie werden, desto aufgeregter werden
auch die Nymphensittiche. Also lieber tief durchatmen und Ruhe bewahren.
Nur im absoluten Notfall darf man einen Nymphensittich fangen! Ist man zu zweit, steht einer
am Lichtschalter, während der andere sich vorsichtig dem Vogel nähert. Wenn es plötzlich
dunkel wird, sind Vögel orientierungslos. Diesen Moment kann man ausnutzen, um das Tier zu
greifen oder ein dünnes Tuch überzuwerfen. Diese Prozedur ist Stress pur und strapaziert das
Vertrauensverhältnis zum Menschen sehr. Das Fangen darf deshalb auf keinen Fall
regelmäßiges Mittel sein.

Weitere Neuzugänge
Nur sehr selten gibt es ernsthafte Probleme bei der Zusammenführung mit neuen Artgenossen,
vorausgesetzt die Voliere ist geräumig genug. Kleinere Streitigkeiten sind normal, denn die
Rangordnung muss neu geklärt werden. Deshalb ist es sinnvoll, mehrere Futterstellen
anzubieten. Eine Umgestaltung der Voliere und Spielplätze können helfen, Aggressionen zu
vermeiden. Auch bei Neuzugängen sollte man die Nymphensittiche einige Tage in Ruhe lassen,
so können sie sich kennen lernen.
Nicht immer sind neu gekaufte Vögel gesund, auch wenn Zoohandlungen oder Züchter dies
versprechen. Züchter setzen Neuzugänge deshalb für 6 Wochen in Quarantäne. Die
Inkubationszeit der meisten Krankheiten ist damit abgedeckt. Holt man sich gleichzeitig zwei
neue Nymphensittiche, ist diese Vorgehensweise sinnvoll. Einen einzelnen Vogel jedoch 6
Wochen in Einzelhaft zu setzen kann bereits zu ernsthaften Verhaltensstörungen führen. Ein
Besuch beim Tierarzt kann diese Zeit enorm verkürzen. Bei der so genannten
Ankaufsuntersuchung untersucht der Tierarzt den Kot (z. B. auf Würmer), macht einen
Kropfabstrich (z. B. auf Megabakterien, Trichomonaden) und überprüft den allgemeinen
Zustand des Vogels. Der mögliche Befall mit Milben und Federlingen wird ebenfalls untersucht.
Selbst wenn man auf Laborergebnisse warten muss, dauert dies selten länger als eine Woche.
Bitte gehen Sie niemals zu einem allgemeinen Tierarzt. Vögel haben eine gänzlich andere
Biologie als Säugetiere. Es erfordert besondere Kenntnisse, um die Krankheiten von Vögeln
fachgerecht zu erkennen und zu behandeln. Machen Sie einen Termin aus, um Wartezeiten zu
verringern. Eine Liste vogelkundiger Tierärzte findet man z. B. unter www.vogeldoktor.de.


Die Ernährung
Als Grundfutter dient eine ausgewogene Körnermischung, die neben den gängigen Saaten auch
Wildsamen, Beeren und Kräuter enthalten kann. Empfehlenswerte Großsittichmischungen kann
man vor allem über das Internet und in einigen gut sortierten Fachgeschäften kaufen. Die
Preise liegen bei etwa 3 € pro Kg. In Zoogeschäften erhält man häufig Mischungen, die zu viele
Sonnenblumenkerne enthalten. Wegen ihres Fettgehalts sollten Sonnenblumenkerne aber nur
begrenzt gereicht werden. Fertig abgepackte, als Alleinfutter deklarierte Markenfabrikate weisen
häufig eine Fülle ungesunder Zusatzstoffe auf. Auf Futtermischungen, die mit Bäckereierzeugnissen,
Zucker, Farbstoffen oder Konservierungsstoffen versetzt sind, sollte man gänzlich
verzichten.
Neben dieser Grundmischung gibt es eine Fülle an weiteren Leckereien. An erster Stelle stehen
Kolben- und Rispenhirse. Obst und Gemüse wird leider von vielen Nymphensittichen
verschmäht, liefert jedoch die nötigen Vitamine. Favoriten sind Salat, Möhren (mit Grün),
Paprikastümpfe (mit Kernen) und Äpfel. Bei beharrlicher Verweigerung ist Kreativität gefragt.
Feuchtes Obst kann man z. B. mit leckerem Körnerfutter panieren.
Sehr beliebt sind meist Keim- und Kochfutter. Ersteres liefert Vitamine und Abwechslung im
Speiseplan. Zum Keimen werden die Saaten 6-12 Stunden in Wasser eingeweicht, danach
weitere 12-24 Stunden im Sieb stehen gelassen. Das Grundfutter ist zum Keimen nicht
geeignet, da enthaltene Kräuter, Beeren u. Ä. schimmeln würden. Im Handel gibt es fertige
Keimfuttermischungen, welche man auch problemlos kochen kann. Dazu einfach 10-15 Minuten
in klarem Wasser kochen, abgießen und servieren.
Auch frisches Grün aus der Natur ist eine gute Ergänzung. Z. B. dünne Äste von Obstbäumen,
Weiden, Buchen, Birken oder Haselnuss werden hingebungsvoll zerlegt, die frischen Knospen
und Blätter stehen dabei an erster Stelle. Man kann auch Gräser, Löwenzahn, Vogelmiere und
Gänseblümchen anbieten, um nur einige Pflanzen zu nennen. Pflanzen von Straßenrändern und
gespritzte Pflanzen sind ungeeignet!
Zur Verdauung sollte Muschelgrit angeboten werden. Dieser ist im Vogelsand enthalten, kann
aber auch einzeln gekauft werden, falls man andere Einstreu verwendet.
Da das Gefieder regelmäßig erneuert wird, sind Mineralien unerlässlich. Zur Kalkversorgung
eignen sich Sepiaschalen und Kalksteine. Zusätzlich können rote Vogelmineralien, Kieselerde
und z. B. ein NatMin-Stein angeboten werden. Dieser wird ohne Gips gebunden, welcher sonst
bei den gängigen Mineralsteinen eine effektive Aufnahme behindert. Künstliche
Vitaminpräparate sind bei einer ausgewogenen Ernährung nicht nötig.

Die Nahrungsumstellung
Für erwachsene Nymphensittiche sollte die Umstellung des Körnerfutters kein Problem
darstellen. Bei Tieren, die noch sehr jung sind, kann es zu Durchfall oder sogar
Futterverweigerung kommen. Deshalb ist eine langsame Umgewöhnung in diesem Fall sinnvoll.
Das bisherige Futter wird mit dem neuen Futter gemischt, wobei der Anteil der neuen Mischung
schrittweise erhöht wird.
Kommt es zur Futterverweigerung und man hat nicht die Möglichkeit, das gewohnte Futter
anzubieten, kann man es mit einer Wellensittichmischung und Kolbenhirse versuchen. Beides
wird meist gut angenommen. Gerade bei jungen Tieren empfiehlt sich zusätzlich Keim- oder
Kochfutter.
Was der Vogel nicht braucht:
Die heiß begehrten Knabberstangen aus dem Handel: Zucker, Fett, Bäckereinebenerzeugnisse
und Geschmacksverstärker machen dem Vogel ein sehr ungesundes Futter schmackhaft. Wenn,
dann sollte man selber Knabberstangen backen.
An Mauserhilfen verdienen die Hersteller viel Geld, aber den Vögeln nutzen ständig verfügbare
Mineralien mehr. Besonders die Jugendmauser ist anstrengend, helfen kann man vor allem
durch einen ausgewogenen, vielseitigen Speiseplan. Für gesunde Nymphensittiche ist auch die
Mauser kein Problem.
Sprechperlen - können Menschen fliegen, wenn sie „Flugperlen“ essen?
Auch wenn die Nymphensittiche ganz scharf auf alles sind, was Mensch isst - unser Essen ist
für die Vögel ungesund, im schlimmsten Fall sogar tödlich. Nymphensittiche mögen den
Geschmack von Salz, welches aber nachhaltig ihre Nieren schädigt. Fettiges, Milchprodukte und
Fleisch sind ebenfalls absolut tabu. Als Leckerlis sind ungesalzene Nudeln, Reis und Kartoffeln
erlaubt und ganz selten dürfen die Vögel trockenes Brot zerknuspern.

Die Zucht
Für die Zucht von Papageien und Sittichen braucht man in Deutschland eine
Zuchtgenehmigung. Diese ist auch erforderlich, wenn Sie die Küken behalten wollen oder das
Paar nur einmal brüten soll.
Nymphensittiche sind mit der Familienplanung manchmal recht schnell und es kann passieren,
dass die Eier auf den Käfigboden oder in eine geschützte Ecke im Wohnzimmer gelegt werden!
Diese Eier müssen dann gegen Kunststoffeier (entweder "Großsittich klein" oder
Wellensitticheier) ausgetauscht werden. Wenn Sie solche Attrappen nicht zur Hand haben,
können die gelegten Eier notfalls auch abgekocht werden.

Ein Gelege besteht jeweils aus 4-6 Eiern, die Brutzeit beträgt 18-21 Tage für jedes Ei
(Brutbeginn meist ab dem dritten Ei). Dabei übernimmt der Hahn meistens die Tagesschicht,
die Henne die Nachtschicht. Wenn die Henne ihr Gelege nach ca. 30 Tagen aufgibt, können die
Eier entfernt werden. Auch weitere Eier sollte man ersatzlos entfernen.
Legt die Henne weiterhin Eier, muss man dies nach Möglichkeit unterbinden, da eine
übermäßige Eiproduktion die Henne sehr schwächt und in Einzelfällen sogar zum Tode führen
kann. Man kann die künstliche Lichtzufuhr reduzieren, auch viel Bewegung und eine komplette
Umgestaltung der Voliere lenken ab. Futterumstellung (Diätfutter) kann ebenfalls helfen, die
Bruststimmung zu mindern. Dabei wird auf reichhaltiges Futter verzichtet. Außerdem müssen
alle dunklen Ecken geschlossen werden, damit die Henne diese nicht mehr als Bruthöhle
ansieht, Hennen, die immer wieder mit neuen Gelegen anfangen, kann man mitunter gut auf die
Alternative Brutkasten trainieren. Wenn die Henne bereits in einer Ecke Eier bebrütet und diese
verteidigt, bedeutet das permanent sehr großen Stress für sie. Unter Umständen sollte man
dann stattdessen einen Nistkasten anbieten. Nach 30 Tagen wird der Kasten samt Eiern
entfernt. Die Henne wird eventuell noch 1-2 Eier legen, da sie ihre Produktion nicht plötzlich
einstellen kann. Ohne Nistkasten wird sie jetzt aber wahrscheinlich keine neue Brut anfangen.
In Einzelfällen kann sich der Bruttrieb sehr hartnäckig halten. Hormonspritzen sollten aber
absolut die letzte Möglichkeit sein! Ratsamer ist es, einen geeigneten Züchter zu finden, der das
Paar für eine Brutsaison aufnimmt und ihm eine einmalige Kükenaufzucht gestattet. Auch ein
Ortswechsel zu befreundeten Nymphensittichhaltern kann helfen. All diese Ratschläge geben
keine Erfolgsgarantie; die genaue Vorgehensweise sollte in jedem Einzelfall abgewägt und
eventuell mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

Die Haltung mit anderen Vogelarten
Grundsätzlich kann man Nymphensittiche mit anderen Arten zusammen halten. Leider sind
Nymphensittiche „liebe Trottel“, die sich so ziemlich alles gefallen lassen. Deshalb sollte
gewährleistet sein, dass sie Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten haben.
Vergesellschaften kann man Nymphensittiche u. a. mit Bourkesittichen, Wellensittichen,
Katharinasittichen und Ziegensittichen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die
Nymphensittiche immer in der Überzahl gehalten werden.
Großpapageien und Agaporniden (Unzertrennliche) sind für eine Vergesellschaftung ungeeignet.
Die beste Gesellschaft für Nymphensittiche sind allerdings weitere Nymphensittiche! Auch wenn
ein friedliches Miteinander mit anderen Arten möglich ist, verstehen sie sich nicht wirklich gut.

Vogel entflogen – was nun?

Zu allererst Ruhe bewahren! Es hilft dem Vogel nichts, wenn Sie planlos hinterherlaufen oder
gar versuchen, ihn zu fangen. Dadurch wird er nur noch weiter verjagt.
Man kann einen leeren Käfig mit Futter/Hirse gut sichtbar aufstellen und so mit Glück den Vogel
einfangen. Hat man die Möglichkeit dazu, ist es ratsam, den Partner auf Balkon/Terrasse zu
stellen oder die Fenster weit zu öffnen. Wenn die übrig gebliebenen Schwarmmitglieder rufen,
wird der entflogene Nymphensittich vielleicht angelockt. Aber leider sind die Tiere häufig nicht
mehr in Sichtweite.
Es lohnt sich, die Tierheime, Auffangstationen und örtlichen Radiosender zu benachrichtigen
und Flugzettel im größeren Umkreis an belebten Orten aufzuhängen. Sorgen Sie dafür, dass
sich Ihre Suche in der Nachbarschaft, im Kindergarten, in der Schule rumspricht. Vielleicht hat
jemand Ihren Nymphensittich gesehen.


Schlussbemerkung
Es gibt etliche Bücher zum Thema Nymphensittich auf dem Markt, darunter mit Sicherheit auch
sehr gute. Leider orientieren sich viele Ratgeber an den Menschen, nicht am Tier. Eine kritische
Auseinandersetzung lohnt sich deshalb immer.
Dieses Informationsblatt soll Anfängern und potenziellen Haltern einen ersten und doch
möglichst umfassenden Einblick in die artgerechte Haltung von Nymphensittichen verschaffen.
Um mehr über Nymphensittiche und ihre Haltung zu erfahren, sollten Sie die zahlreichen
Informationsquellen im Internet nutzen. Insbesondere in gut besuchten Internetforen kann man
sich mit anderen Nymphensittichhaltern austauschen. Niemand macht von Anfang an alles
richtig, nutzen Sie die Erfahrungen anderer Vogelhalter!

Geschrieben von: Jana Rückschloss und Jessica Fieger
Dieses Infoblatt wird Ihnen zur Verfügung gestellt von www.vogelkauf.info und www.NymphensittichSeite.de
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